Elly im Interview

ORF.at/Yasmin Szaraniec

Elly V: Grenzgängerin zwischen Klassik und Pop

Bei „The Voice of Germany“ hat Eleonora Vardanian alias Elly V im vergangenen Jahr die Jury mit einer eigenwilligen Version von Radioheads „Creep“ beeindruckt. Bei „Wer singt für Österreich?“ setzt die Niederösterreicherin mit armenischen Wurzeln auf elektronische Beats und beweist nicht nur damit stilistische Vielseitigkeit. Die jüngste Teilnehmerin ist auch im klassischen Fach sehr versiert und räumte bereits mehrere Preise ab.

Es sind zwei musikalische Seelen, die in Elly V schlummern. Denn begonnen hat ihre musikalische Laufbahn eigentlich mit Klassik. „Ich habe schon sehr früh in einem Kinderchor gesungen. An derselben Musikschule gab es auch die Möglichkeit, sich mit klassischem Gesang zu beschäftigen. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen“, sagt die 17-Jährige über ihren Zugang zum ernsten musikalischen Fach in ganz jungen Jahren.

Lange Töne mit Vibrato

Und trotz der mittlerweile herrschenden Affinität zur Popkultur ist Klassik bei ihr nach wie vor Thema. „Lange Töne mit Vibrato – das geht voll unter die Haut. Auch wenn ich weiß, dass das nicht jedermanns Sache ist“, beschreibt sie den emotionalen Zugang, und sie nennt Bellini als große Inspiration. „Ich bin eher der Operntyp, ich habe eine Schwäche für lange Töne - vor allem auf Italienisch“, gesteht sie schmunzelnd. Außerdem könne man nie genug lernen, was das Singen anbelangt, erklärt Elly V ihr ungebrochenes Interesse an der Gesangsausbildung.

Elly im Interview

ORF.at/Yasmin Szaraniec

Elly V: „Ich bin eher der Opern-Typ“

Elektronische Beats für Stockholm

Ganz und gar nicht nach Klassik klingt Elly Vs Beitrag für „Wer singt für Österreich?“ - auch wenn deutlich zu hören ist, dass hier eine außerordentlich versierte Stimme hinter dem Mikrofon steht. „I’ll Be Around (Bounce)“ schöpft ebenso aus dem Pop wie aus der Clubkultur.

Präzise gesetzte elektronische Beats, die mitunter sogar nach Drum’n’Bass klingen, bilden das akustische Grundgerüst für die außergewöhnliche Vokalistin, die auf textlicher Ebene über „den Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund“ singt.

TV-Hinweis

Elly V ist Kandidatin bei „Eurovision Song Contest - Wer singt für Österreich?“, Freitag, 12. Februar, 20.15 Uhr, ORF eins.

„Jeder kennt diese Momente, in denen gar nichts vorangeht - aus dem Sport, der Schule oder dem Beruf“, beschreibt Elly V den Text, „man darf bloß nicht aufgeben. Nur wer durchhält, macht Fortschritte.“ Dabei ist der Song eigentlich das Ergebnis eines Gesangswettbewerbs, den Elly V mit 14 Jahren gewann. Der Siegerpreis war die Produktion einer Single mit Produzenten Alexander Kahr. „Damals wollte ich mich musikalisch noch nicht festlegen und habe mich auf die Schule konzentriert.“ Doch jetzt war die Zeit reif, um einen Song zu produzieren, der ihr nun einen Finalplatz im Zuge des Vorentscheids einbrachte.

Karaoke als Tür zur Popwelt

Für die Musik zeichnet Elly V gemeinsam mit Alexander Kahr selbst verantwortlich. Den Text verfasste Robert Pfluger. Und eigentlich ist der Computer daran schuld, dass sich Elly V im Pop genauso sicher bewegt wie in der Klassik – Elly V ist mehrfache Preisträgerin des Musikwettbewerbs für klassische Musik „Prima la musica“. Denn diverse Karaokeversionen von Künstlerinnen wie Selena Gomez und Rihanna entflammten die Leidenschaft für die Popkultur.

Elly beim Interview

ORF.at

Alltag eines (angehenden) Popstars: Interviews geben

Gesanglich verhalte sich Pop zu Klassik zwar wie die Nacht zum Tag, doch insbesondere im R’n’B seien die Gesangslinien sehr anspruchsvoll und verlangten nach entsprechendem Gesangstraining. „Das ist mitunter richtige Stimmakrobatik“, erläutert Elly V und gibt gleich eine Kostprobe eines solchen stimmlichen „Runs“, wie er für das R’n’B-Fach typisch ist.

Stolz auf armenische Wurzeln

Und Elly V bringt ohnehin beste familiäre Voraussetzungen mit, um zu wissen, dass es sehr spannend sein kann, sich mit vielen Einflüssen auseinanderzusetzen. Sie kam im Alter von neun Monaten mit ihren Eltern als Flüchtling von Armenien nach Österreich. Natürlich sei sie von der österreichischen Kultur wesentlich stärker geprägt als von jener ihres Geburtslandes: „Doch ich bin auch auf meine armenischen Wurzeln sehr stolz.“ In ihrer Familie wird ein „best of both worlds“ der Kulturen gelebt. Da passt es gut ins Bild, dass Elly V fünf Sprachen spricht und gleich drei davon fließend.

„Total fertig“ in der Stadthalle

Sollte Elly V am 12. Februar im Zuge von „Wer singt für Österreich?“ das Ticket nach Stockholm lösen, dann wird die Song-Contest-Atmosphäre in Stockholm nicht vollkommen neu für sie sein. „Meine Schule hat letztes Jahr im Zuge des Song Contest bei einem Wettbewerb mitgemacht, und wir haben Tickets für die Generalprobe in der Stadthalle gewonnen. Es hat mich wahnsinnig beeindruckt. Ich war vor lauter Begeisterung total fertig“, schallt es lachend aus ihr raus.

Deshalb heißt es für sie derzeit nach der Schule direkt ins Studio, um an der Show für den 12. Februar zu arbeiten. Die Beschäftigung mit Choreografie, Outfit und der Lichtinszenierung mache ihr einen „Megaspaß“, bedeute aber viel Arbeit: „Ich möchte die Show so unvergesslich wie nur möglich machen, weil die Performance ein wesentliches Element ist. Doch mehr will ich jetzt gar nicht verraten.“

Johannes Luxner, songcontest.ORF.at

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