Zoe

ORF.at/Christian Öser

Zoe als strahlende Siegerin

Zoe fährt für Österreich zum 61. Eurovision Song Contest nach Stockholm. Die junge Wienerin entschied das Finale von „Wer singt für Österreich?” mit „Loin d’ici” für sich. Spannend blieb die Show bis zum Ende. Denn Zoe und Elly V boten sich ein Finale auf Augenhöhe, das letztlich für Zoes französischsprachigen Song und die außerordentlich farbenfrohe und psychedelische Inszenierung ausging.

Der im Vorfeld offen bekundete Siegeswillen Zoes hat schließlich auch zu ihrem Triumph geführt. Zoe, die im vergangenen Jahr hinter The Makemakes und DAWA nur knapp den Sieg im Vorentscheid verpasst hat, wird Österreich im Mai 2016 in Stockholm beim 61. Song Contest vertreten. Sie ist damit in bester Gesellschaft mit Conchita, die vor ihrer ersten Song-Contest-Teilnahme ebenso im Rahmen des österreichischen Vorentscheids beim ersten Mal gescheitert war – so gesehen ein gutes Omen für Stockholm.

Entsprechend überglücklich gab sich Zoe. Kurz vor der Entscheidung beschrieb sie die Situation noch als surreal, um dann ins reale Glück einzutauchen. Elly V, die mit Drum’n’Bass-Sounds, einer tollen Bühneninszenierung und mit kraftvoller Stimme antrat, musste sich geschlagen geben – auch wenn sie von einer großen Abordnung ihrer Schule unterstützt wurde.

„Speedvoting“ brachte den Entscheid

Zu einem ersten Höhepunkt kam das Finale, als aus den zehn Teilnehmern zunächst die besten drei ermittelt wurden - womit auch Bella Wagner bis knapp vor dem Ende der Show noch eine realistische Chance auf den Sieg bei „Wer singt für Österreich?” hatte. Die düstere Inszenierung von „Weapons Down”, das eine Mahnung an den Frieden ist, kam vor allem bei der Jury gut an – nicht beim Publikum. Als nur noch Elly V und Zoe aus dem Starterfeld übrig waren, hieß es „Speedvoting“. Nicht mehr als 90 Sekunden blieb dem Publikum Zeit, um die definitive Siegerin zu ermitteln.

WSFÖ Zoe auf der Bühne

ORF.at/Christian Öser

Anspannung bei allen drei Kandidatinnen

Und „Wer singt für Österreich?” überraschte auch mit einer für solche Anlässe erfrischend ehrlichen Jury, die mit Schauspielerin Edita Malovcic, dem Journalisten Christian Ude, Songwriterin Julie Frost und natürlich Conchita eine entsprechende Bandbreite an Professionen aus dem Musikumfeld zu bieten hatte.

Bleibende Erinnerung

Dabei bot das Finale von „Wer singt für Österreich?” für knappe drei Stunden die ganz große Inszenierung, der zu jedem Augenblick anzumerken war, dass aus dem vergangenen Song-Contest-Jahr viel Show-Know-how mitgenommen wurde. Und auch wenn von den zehn Kandidaten nur Zoe nach Stockholm fahren wird, werden viele Bilder des Finales in Erinnerung bleiben. Es war offensichtlich, dass der Stellenwert der Performance eine neue Dimension erreicht hat – auch wenn die Zugänge nicht anders hätten sein können.

Allen voran das textile Großaufgebot von Lia, die zwar mit ihrer klassischen Ballade „Runaway” das Publikum und die Jury nicht ganz überzeugen konnte, doch für große Momente auf der Bühne sorgte, die auch an eine Marienerscheinung denken ließ. Wie viele Quadratmeter weißen Stoffes tatsächlich auf der Bühne lagen, blieb letztlich unbeantwortet.

Für Celine Roscheck und Farina Miss bedeutete mit ihrem Song „Sky is the Limit” zwar die Vorausscheidung die Obergrenze - doch Roscheck wird immerhin als hoch über dem Bühnenboden schwebende Geigerin in Sachen Performance in Erinnerung bleiben.

Juvenile Energie half nichts

Auch der Schwung, den Azrah mit ihrer bunt zusammengewürfelten Truppe und dem Song „The One” auf die Bühne brachte, war letztlich zu wenig für ein Ticket nach Stockholm. Da konnte selbst die starke Balkan-Community, die Azrah als gebürtige Bosnierin hinter sich hat, nicht mehr viel ausrichten. Lizza brachte juvenile Energie der ungebügelten Sorte ins Finale. Auch wenn die Jury begeistert war, neigte das Publikum dann doch zu Sounds, die mehr den klassischen Mustern des Song Contests folgen, als für die Rockdarbietung im Quartett mit Bass, Gitarre und Schlagzeug zu stimmen.

Und letztlich musste sich auch Vincent Bueno, der in Sachen Boyband-Sounds mit Orry Jackson starke Konkurrenz hatte, geschlagen geben. Auch Jackson konnte Jury wie Publikum nicht überzeugen. Und Sankil Jones war wohl eine Spur zu exotisch, um den Sprung in die letzten drei zu schaffen. Auch er erhielt großes Lob von der Jury.

WSFÖ Conchita

ORF.at/Christian Öser

Conchita trat erstmals mit Liveband auf

Conchita mit neuem Sound

„Wer singt für Österreich?” blickte musikalisch auch zurück und brachte damit eine neue Seite von Conchita zu Gehör. Die Song-Contest-Siegerin des Jahres 2014 war nicht nur als Mitglied der Jury am Freitagabend präsent – sie stand mit ihrer neuen Formation, mit der sie bald auch durch kleine Clubs touren wird, auf der Bühne. Sehr reduziert und sehr organisch geht es Conchita anno 2016 an. „That’s what I am” war ausgerechnet jener Song, der es in der Vorausscheidung des Jahres 2012 gegen die Trackshittaz knapp nicht schaffte.

Doch die Reduktion wird heuer in Stockholm anderen überlassen sein. Für Österreich heißt es im Vorfinale großer französischer Pop mit hymnischen Anleihen, der an die klassische Phase des Song Contests und Namen wie Celine Dion und France Gall erinnert. Und wenn alles gut geht, wird Zoe am 14. Mai im großen Finale des 61. Eurovision Song Contest stehen um „Loin d’ici” zu singen. Der Song dreht sich textlich um die Suche nach dem Paradies, dem Zoe jetzt wohl ein kleines Stückchen näher ist.

Johannes Luxner, songcontest.ORF.at

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